Über die Wohnungsnot im Öldorf (1903)

Im Bünder Tageblatt lesen wir am 19. Februar 1903 Interessantes über die in Wietze herrschende Wohnungsnot und die Explosion der Grundstückspreise:

Aus dem Wietzer Oelgebiet, 18. Febr. (Die Wohnungsnot) wird hier zu einer Kalamität großen Stils. Als in dieser Woche ca. 50 Kesselschmiede ankamen, um den Riesen-Oel-Tank für 60000 Barrel Oel zu bauen, war für sie keine Unterkunft zu finden. Sie mußten wieder abreisen! Ein neuer Bohrmeister suchte vorgestern vergebens 40 Häuser ab in den drei Dörfern Wietze, Steinförde und Hornbostel nach einem kleinsten Stübchen, ob er auch die höchsten Preise bot. In manchen Häusern sind acht Fremde untergebracht, viele gehen nach dem fernen Winsen. Eine wahre Goldgrube könnte ein neues zimmerreiches Gasthaus für den werden, dem es in Wietze gelänge, nur soviel Areal zu kaufen, um ein neues Haus darauf zu erbauen. Aber unerschwingliche Preise fordert man. Schon allein die Pacht hier übersteigt alles Dagewesene. Im Jahre 1853 konnte man hier in Wietze den Morgen Land für 11 Mk. pachten. In der letzten Woche hat ein Besitzer hier seinen noch nicht ¾ Morgen großen Garten für 11000 Mk. jährlich zu Bohrzwecken verpachtet. Jetzt sind hier 15 Gesellschaften im Kontrakt. Im Betriebe sind davon ein Dutzend. Unser Ort dürfte sich zu ungeahnter Höhe aufschwingen, wenn die im Bau begriffene Bahn Celle-Schwarmstedt, die Wietze berührt, im Frühjahr 1904 eröffnet ist.