Vortrag: Tiefbohrungen vom Eismeer der Antarktis

24.01.2018 um 19:00 Uhr

Im Meer bohrt man in der Regel zu Forschungszwecken von Bohrschiffen oder zur Kohlenwasserstoffgewinnung von Bohrplattformen aus in die Sedimentfolge am Meeresboden. Als Nebenprodukt wurde erkannt, dass die wasserbedeckten, oft ungestörten Sedimentfolgen im Meer auch als Klima-Archive von Bedeutung sind.

 

Der eisbedeckte Kontinent Antarktis bildet einen Klimafaktor, der über lange Zeit vor allem durch kalte Meeresströmungen viele Regionen der Erde beeinflusste. Leider war nur wenig über die Dauer und Art der antarktischen Vereisung bekannt, z.B. ob permanent oder episodisch. Entsprechende Sedimente des Tertiärs oder Quartärs wurden in randlichen Meeresbecken seismisch nach-gewiesen, aber Bohrungen von Schiffen oder gar Plattformen aus waren wegen driftender Eisberge sehr riskant. Das ließ den Gedanken entstehen, im antarktischen Winter vom Meereis aus zu bohren. In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde von 6 Ländern gemeinsam eine solche Bohrkampagne in Angriff genommen.

 

Es wird über das technisch aufwendige Bohrverfahren, die schwierige Logistik und naturbedingte Zwischenfälle berichtet. Die geologischen Rahmenbedingungen werden diskutiert und dann die Ergebnisse vorgestellt. Es gelang, bei 500 m Wassertiefe einen ca. 1000 m langen Kern zu erbohren. Die Sedimente im Kern umfassen eine Zeitspanne von der Warmzeit zu Beginn des Tertiärs (34 Mio. Jahre) über zahlreiche Relikte von Eisvorstößen bis heute.

 

Der Referent Dr. Franz Tessensohn gehörte zum Team, das die Bohrung wissenschaftlich steuerte.
 

Der Eintritt für den Vortrag beträgt 4,00 Euro, Mitglieder haben freien Eintritt.