Neue Erkenntnisse zum Ursprung der Erdölindustrie

02.03.2017

Ein systematische Neuauswertung der im Landesarchiv Hannover aufbewahrten Akten der Königlich-Hannoverschen Regierung hat jüngst zahlreiche neue Details zur Frühzeit der Erdölförderung in Wietze erbracht. Weitere ergänzende Daten und Einzelheiten von herausragender historischer Bedeutung konnten durch die Sichtung bislang völlig unbekannter Dokumente erschlossen werden, die erst vor wenigen Jahren aus Privatbesitz aufgetaucht sind.

 

Wie die aktuellen Forschungen von Museumsleiter Dr. Stephan A. Lütgert zeigen,  zog das Wietzer Schwerölvorkommen bereits zwei Jahrzehnte vor der legendären Hunäus-Bohrung unternehmerische Aufmerksamkeit auf sich. 1841 trat ein auswärtiger Speculant auf den Plan, der an einem "Erwerb des Theers ins Große" interessiert war und eine Ausweitung des obertägigen Förderbetriebes plante, um aus dem Schweröl Asphalt zu gewinnen. Ein Jahr darauf setzte sich die um die wirtschaftliche Prosperität des Landes besorgte Direktion des Gewerbevereins Hannover dann bei der Regierung dafür ein, gezielt Erdölbohrungen u. a. in Wietze abzuteufen.

 

Aber schon Ende der 1830er-Jahre hatten die Eigentümer der seit 1652 urkundlich bezeugten ergiebigsten "Teerkuhle", die Wallmanns, den Handel mit dem in dieser Zeit vor allem als Wagenschmiere begehrten Rohstoff über das nähere Umland des Heidedorfes hinaus ausgedehnt. 1847 wurde der "Teer" bis nach Langwedel an der Weser verfrachtet. Der Umsatz betrug in dieser Zeit weit über 3000 Reichstaler.

 

Eine Zusammenfassung der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse bieten zwei Artikel, die in der Januarausgabe des Fachmagazins "Erdöl, Erdgas, Kohle" bzw. im Heft 1/2017 der Zeitschrift "Der Anschnitt" des Deutschen Bergbaumuseums abgedruckt sind.

 

Foto: Älteste Fotografie der Wallmannschen Teerkuhle von 1903